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Wie du Improvisation übst…

Wie du Improvisation übst…

  • Der wichtige Unterschied
  • Wie du dein Üben organisierst
  • Inhalt
  • Methode
  • Vertiefung
  • Einleitung aus ‘How To Improvise’

Der wichtige Unterschied

Um Improvisation erfolgreich üben zu können, musst du zwischen 2 Dingen unterscheiden:

  1. Spielen
  2. Üben

Beim Spielen ist deine wichtigste Aufgabe das Hören der Musik, das Geschehen lassen und das bedingungslose Akzeptieren. Spielen solltest du am Besten mit anderen Menschen oder notfalls mit liebevoll kreierten Musikaufnahmen. Beim Spielen gibt es keine Fehler, weil im Moment des Spielens keine Kategorien wie Richtig oder Falsch existieren. Spielen erfordert passende Rahmenbedingungen (frei von Ablenkungen), Aufmerksamkeit für das eigene Wohlbefinden und gegebenenfalls ein gutes soziales Miteinander. Spielen ist nicht zielgerichtet, sonst ist es Üben.

Beim Üben ist deine wichtigste Aufgabe das aufmerksame Beobachten deines Spiels, das Kontrollieren und Korrigieren. Üben kannst du am besten allein oder mit engagierten Übepartnern. Fehler sind deine Freunde, weil sie dir mitteilen, was du tun musst, um dein Ziel zu erreichen. Üben erfordert viel Aufmerksamkeit und die geistige Disziplin, bei einer Sache zu bleiben. Beim Üben arbeitest du methodisch auf ein Ziel hin.

Es gibt noch eine dritte Kategorie: Wahnsinn.

  • Wenn du dich beim Spielen nicht in die Musik fallen lässt, sondern deine Aufmerksamkeit auf dein Spiel richtest und im schlimmsten Fall noch Fehler korrigierst.
  • Wenn du ziellos oder ohne jegliche Methode „übst“ und erwartest, dass das Spaß macht.

Vereine beide Herangehensweisen und du wirst früher oder später keine Lust mehr auf Musik haben.

Die Improvisationsspiele im Kurs sind Übungen. Sie sind dafür da, deine Intuition so zu trainieren, dass sie dein Solo beim Spielen in die richtigen Bahnen lenkt. Eine Übung hast du also erst dann gemeistert, wenn du sie ohne Anstrengungen des Bewusstseins fehlerfrei machen kannst. Das kannst du am Besten kontrollieren, indem du dich während einer Übung auf etwas Anderes konzentrierst - schau zum Beispiel aus dem Fenster, versinke im Sound der Musik oder lenke dich anderweitig von der Übungsaufgabe ab, ohne sie komplett aus den Augen zu lassen. Vergiss nicht, jede Gelegenheit wahrzunehmen um mit Anderen zu spielen oder wenigstens regelmäßig allein für dich aus den geregelten Bahnen der Improvisationsspiele auszubrechen.

Wie du dein Üben organisierst

Wenn du Improvisation lernen willst, kann dir der Unterricht nicht mehr die volle Verantwortung für deinen Lernprozess abnehmen. Deshalb musst du verstehen, woraus dein Lernprozess besteht. Ein Bewusstsein für die 3 Kernelemente des Lernens reicht schon aus, damit du dich nicht verzettelst. Du kannst dir die Abkürzung ZIM merken. Sie steht für Ziele, Inhalt & Methode.Ziel

Dein Lernziel - was willst du können?

Rechtfertigt sich durch Lebensweltbezug und Notwendigkeit in der Welt.

Inhalt

Gegenstand der Betrachtung.

Rechtfertigt sich durch Nützlichkeit um das Ziel zu erreichen - passend für Ziel und Zielgruppe.

Methode

Der Weg zum Ziel. Wie sieht der Lernprozess genau aus. Welche Anweisungen gibt es.

Rechtfertigt sich durch Lernfreundlichkeit und Effektivität.

Vertiefung

Wenn du das Thema weiter vertiefen möchtest, empfehle ich dir Hal Crook‘s Einleitung zu seinem Buch “How To Improvise”. Im Folgenden kannst du eine selbst angefertigte Übersetzung aus diesem genialen Werk lesen. Fette Markierungen von wichtigen Aussagen stammen von mir.

Einleitung aus ‘How To Improvise’

“Aufgrund der vielschichtigen Natur der Improvisation entscheiden sich viele Spieler dafür, die Fülle an vorhandenem Material zu ignorieren und das zu tun, was ich den „Ready, Fire, Aim“-Ansatz nenne – erst schießen, dann zielen. Im Grunde heißt das: Augen zu, Ohren auf, losspielen und auf das Beste hoffen.

Dieser Ansatz hat gegenüber dem „Nachdenken“ darüber, was man spielen soll, gewisse offensichtliche Vorteile – schließlich gibt es so viel, worüber man nachdenken könnte. Tatsächlich gilt er allgemein als die ideale Art zu improvisieren, eben weil er das Denken umgeht und Gehör und Intuition das Feld überlässt. Diese Fähigkeiten sind den Anforderungen des Improvisierens naturgemäß besser gewachsen, denn der Verstand reagiert langsamer und schwerfälliger. Improvisation ist in der Tat zu großen Teilen durch solche natürlichen, „nicht-denkenden“ Mittel entstanden und gewachsen – allerdings unter Auftrittsbedingungen, die weitaus günstiger (z. B. harmonisch einfacher) und zahlreicher waren als heute.

Als ausschließliche Methode zum Üben von Improvisation hat der „Ready, Fire, Aim“-Ansatz jedoch gravierende Einschränkungen, denn der Zufall spielt eine erhebliche Rolle. Anders gesagt: Vielleicht bringt dein Gehör heute etwas Neues und Wertvolles hervor, aus dem du lernen kannst – vielleicht aber auch nicht. Bei einer Übemethode, die so unspezifisch in ihrem Ziel und so stark vom Zufall abhängig ist, gibt es keine Garantie, dass du nicht lange auf der Stelle trittst, bevor sich etwas Positives einstellt. Früher oder später erkennen die meisten ernsthaften Schüler, dass sie ihren Lernprozess organisieren und strukturieren müssen, um zumindest regelmäßige Fortschritte zu sichern – und im besten Fall über das hinauszugehen, was Gehör und Intuition allein erreichen könnten. Der „Ready, Fire, Aim“-Ansatz ist richtig für die Aufführung, doch zum Üben sollte man den „Ready, Aim, Fire“-Ansatz wählen. Die Frage ist: Wie lässt sich das auf die Improvisation anwenden?

Man kann beobachten, dass „freie“ Improvisation – also Improvisieren ohne musikalische Einschränkungen wie Intonation, Akkordwechsel, Tempo, Songform usw. – eine wertvolle, lohnende, unterhaltsame und wichtige Erfahrung ist, der man sich durchaus ernsthaft widmen sollte. (Ich behaupte nicht, dass du freies Improvisieren beherrschen musst – wohl aber, dass du aus dem Üben wertvolle Dinge mitnehmen kannst.) Allerdings ist kreatives und musikalisches Improvisieren innerhalb bestimmter musikalischer Einschränkungen eine anspruchsvollere Herausforderung, denn es verlangt Disziplin und Genauigkeit – und entwickelt gerade dadurch Fähigkeiten in den Bereichen, die mit diesen Einschränkungen verbunden sind. Dies ist das Leitprinzip des Ansatzes, den ich für das Üben der Improvisation entwickelt habe.

Wenn ich zum Beispiel ein einzelnes Thema oder einen bestimmten Aspekt der Improvisation auswähle – etwa rhythmisches Time-Feel, Phrasierung, motivische Entwicklung oder melodische Genauigkeit – und meine ganze Konzentration beim Improvisieren auf dieses eine Thema richte, dann entwickle ich mit Sicherheit mehr Kompetenz in diesem Bereich, als wenn ich ohne konkretes Ziel drauflos spiele. Andere Bereiche mögen vorübergehend darunter leiden, aber das ist in Ordnung, denn sie stehen gerade nicht im Fokus – die kommen später dran. Indem ich meine Aufmerksamkeit auf jeweils nur ein Thema richte (also eine Einschränkung bzw. ein Zielsetze), vertiefe ich meine Vertrautheit mit dem Thema schneller, als es sonst der Fall wäre, und entwickle so die Fähigkeit, kreativ und musikalisch damit zu arbeiten. Sobald ich einen Bereich mit dieser Zielmethode verbessert habe, wende ich mich dem nächsten zu – auf dieselbe Weise.

Das ähnelt der Methode, mit der ein Mechaniker die einzelnen Teile eines Motors kennenlernt oder repariert. Zunächst werden die Teile im laufenden Zusammenspiel beobachtet, um ihre Funktion und ihr Verhältnis zum Ganzen zu verstehen. Dann werden sie herausgelöst – aus dem Ganzen entfernt –, um sie einzeln untersuchen, genauer studieren und bei Bedarf reparieren, also verbessern zu können. Schließlich werden sie wieder zusammengebaut und im Zusammenspiel mit den übrigen Teilen des Motors erneut getestet.

Stell dir vor, du versuchst, die allgemeine Funktionsweise von irgendetwas zu verstehen, zu korrigieren oder zu verbessern, das aus zahlreichen Teilen besteht – ohne diesen Vereinfachungsprozess zu durchlaufen. Du beginnst zu verstehen, warum viele Spieler nur langsame, unregelmäßige Fortschritte (wenn überhaupt) beim Improvisieren machen: Sie zerlegen das große Problem nicht in einfachere, handhabbarere Teilprobleme.

Es sei ausdrücklich betont, dass die Zielmethode eher zum Üben als zum Aufführen von Improvisation geeignet ist. In Auftrittssituationen – im Gegensatz zum Üben – empfehle ich, die Improvisation so natürlich wie möglich geschehen zu lassen, also mehr nach Gehör und Intuition zu steuern als durch bewusstes Denken. Der entscheidende Punkt ist jedoch: Nach einer ausreichenden Menge an fokussierter, konzentrierter Übung tauchen die gezielt bearbeiteten Themen von selbst in deiner Improvisation auf – ganz natürlich und intuitiv, ohne dass du groß darüber nachdenken musst. Dieser Ansatz ist im Grunde eine Art, die Intuition so zu konditionieren, dass sie die einzelnen Elemente des Solospiels musikalischer ausbalanciert und steuert. (Hinweis: Schüler, die das Üben eines Themas einstellen, weil sie bei bewusster Anstrengung gute Ergebnisse erzielen, sollten sich klarmachen, dass viel wiederholtes Üben auf der bewussten Ebene nötig ist, um das Unterbewusstsein entsprechend zu trainieren.)

Wenn du diese Methode erstmals anwendest, klingt deine Improvisation möglicherweise etwas vorhersehbar, begrenzt oder einfallslos – wegen der Einschränkungen. Lass dich aber nicht verunsichern, wenn sich deine Soli beim Üben nicht immer vollständig oder nach einem „fertigen Produkt“ anfühlen. Mit der Zeit werden sie besser klingen als dein bisheriges „fertiges Produkt“. Denk daran: Du konzentrierst dich beim Üben auf jeweils nur einen Aspekt der Improvisation und forderst dich heraus, innerhalb eines begrenzten Bereichs genau und musikalisch zu improvisieren, um in diesem Bereich größere Kompetenz zu entwickeln. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen Üben und Aufführen.

Natürlich solltest du auch das „Aufführen“ üben – also in diesem Fall: ohne konkretes Ziel oder Einschränkung spielen. In dieser Situation bist du freier, zu spielen, was immer du willst – und so sollte es beim Aufführen auch sein. Doch diese Freiheit kann leicht missbraucht werden, wenn sie deine einzige Spielerfahrung ist. Ohne ein bestimmtes Ziel (eine Einschränkung) wirst du beim Üben nicht unbedingt etwas Neues lernen – erst recht nicht, wenn du etwas Bestimmtes lernen willst. Um etwas Bestimmtes zu lernen, musst du dich mit deiner ganzen Aufmerksamkeit jeweils auf ein Thema oder einen Aspekt richten, um diesen Bereich gründlich zu verstehen, zu erforschen und zu verbessern – und dadurch deine Gesamtfähigkeit zur Improvisation zu stärken.

Im Grunde verwendest du diese Schritt-für-Schritt-Methode bereits, seit du zum allerersten Mal Musik gelernt hast – seit der ersten Note, dem ersten Akkord, der ersten Tonleiter, die du üben solltest. Hier ist im Prinzip nichts anders, außer dass sie auf Themen der Improvisation angewendet wird. Das Wichtigste, das du dir also über das Üben (im Gegensatz zum Aufführen) von Improvisation merken solltest, ist: Improvisiere kreativ und musikalisch – aber innerhalb des Rahmens einer gewählten Einschränkung.

Nachdem du ein einzelnes Thema eine Weile geübt hast (z. B. 30–40 Minuten), ist es wichtig, eine Zeit lang ohne Gedanken an die Einschränkung zu improvisieren – also rein nach Gehör und Intuition – und zu beobachten, was passiert. (Es hilft, das Solo aufzunehmen.) Dein Spiel klingt vielleicht sofort reifer, weil du bereit warst, dich zu verbessern – oder es braucht mehr Zeit. In beiden Fällen ist es ermutigend und beruhigend zu wissen, dass du deine Fortschritte auf organisierte, methodische Weise verfolgst, die früher oder später positive Ergebnisse bringen wird.

Die Reihenfolge der Themen – welches du zuerst, zweit- oder drittrangig übst – ist größtenteils eine individuelle Angelegenheit und hängt von deinem Entwicklungsstand ab. Mein Vorschlag: Beginne am Anfang dieses Buches und arbeite dich in deinem eigenen Tempo durch die Reihenfolge der vorgestellten Themen und Materialien. Nach Abschnitt I kannst du sie nach Belieben auswählen, vorausgesetzt, du (1) verstehst sie theoretisch, (2) hast eine genaue klangliche Vorstellung davon, wie sie klingen sollen, und (3) verfügst über genug instrumentale Fertigkeit, um sie umzusetzen.

Du kannst ein bestimmtes Thema einen Tag oder ein ganzes Jahr lang üben – je nachdem, wie sehr du davon profitierst (oder profitieren könntest), wie grundlegend das Thema ist und wie ausgeprägt deine Schwäche in diesem Bereich. Es ist nicht nötig, jedes Thema bis zur Meisterschaft zu üben, bevor du zum nächsten übergehst. Die ersten Themen des Buches wurden wegen ihrer grundlegenden Bedeutung für gute Improvisation ausgewählt und weil viele Schüler in diesen Bereichen Verbesserungsbedarf haben. Auch das Wiederaufgreifen eines Themas nach einer Pause von einer Woche, einem Monat oder noch länger kann sehr lehrreich sein.

Wie lange du bei einem Thema bleibst, sollte auch davon abhängen, wie gern du es magst und wie interessant es dir beim Üben erscheint. Freude am Üben ist entscheidend, wenn du musikalisch etwas Bleibendes mitnehmen willst – oder wenn du überhaupt weiterüben willst. Die Art von Freude, die du beim Üben von Improvisation erlebst, ist allerdings nicht unbedingt dieselbe wie beim Aufführen, besonders wenn du die Zielmethode anwendest. Diese Arbeitsweise erfordert in der Regel mehr Disziplin, um beim Übungsziel (dem jeweiligen Thema) zu bleiben. Das fällt nicht immer leicht und macht daher nicht immer Spaß – doch Disziplin ist äußerst wertvoll und wird mit der Zeit immer natürlicher. Der beste Weg, sowohl Fortschritte zu erzielen als auch Freude daran zu haben, ist, die tägliche Übezeit aufzuteilen: einerseits gezieltes Arbeiten an einzelnen Themen, andererseits freies Spielen ohne bestimmtes Ziel – also Aufführen, bei dem du dich mehr auf den Geist des Solos konzentrierst als auf die technischen Aspekte.”

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