Ich bin weit davon entfernt, diese Technik gemeistert zu haben, aber ich habe sie vom wohl besten Freestyle-Rapper der Welt gelernt - Harry Mack. Und ich möchte sie einfach gern teilen, falls dich das Thema interessiert. Es ist eine kleine Übung, die das schnelle Denken trainiert und sehr viel Spaß machen kann, sobald ein Beat dazu kommt. Sobald du dir ein kleines Repertoire an Reimen erarbeitet hast, kannst du viel Freude mit dieser kleinen Übung haben.
Die größte Hürde beim spontanen Dichten ist der Zweckreim - wie ein Füllwort kommt er in den Text, ohne einen Mehrwert zu haben. Bei normalen Worten ist das Problem allerdings noch weitreichender - denn Worte am Ende von Zeilen tragen Bedeutung in sich, die schwer ignoriert werden kann.
Jetzt ist es so, dass Freestyle-Rap sehr stark von festeren Strukturen lebt, die aus der Natur des Beats kommen.
Typischerweise gibt es eine Setup-Line
und darunter kommt der Punch
manchmal kommt ein Kreuzreim rein
doch am Ende bist du dran (das ist die Punchline)
Und eben diese Punchline bringt den Drive in Freestyle. Deshalb gilt es, eine entsprechende Art des Reimens einzuüben. Das Tolle: An dieser Stelle wird der Zweckreim sogar fast schon ein nützliches Werkzeug, weil er für Assoziationen sorgt, die am Ende trotzdem durch die Punchline gesichert sind. Lass es mich erklären.
Die Setup-Punchline-Übung
Du hast ein Reimwort im Kopf. Statt es aber nun direkt als Erstes zu benutzen, denkst du es dir nur und suchst eine passende Line, die zu deinem Reimwort passt.
Bsp. Apfel
Jetzt rapst du eben nicht:
Ich nasche vom Baum der Erkenntnis einen Apfel
weil du in Bedrängnis kommst zu nehmen was dann abfällt
Sobald du die erste Zeile gesprochen hast, sucht dein Gehirn schnell noch irgendwie einen passenden Reim, der aber leider die ganze Bedeutung deiner Kreation tragen muss und dich eventuell in die Verlegenheit bringt, dass dir kein passender Reim einfällt.
Viel besser ist es eben, wenn du dir im Stillen denkst: (irgendwas mit Apfel). Und dann wird deine sogenannte „Setup-Line“ darauf ausgerichtet, dass deine „Punchline“ irgendwas mit Apfel enthält. Und selbst wenn du jetzt Zweckreime benutzt, bringen sie wenigstens die Line zu mehr Punch.
Dann nehme ich halt das was hier noch abfällt
ich bin Frutarier - esse irgendwas mit Apfel
Merkst du, wie das Reimwort dadurch schon fast egal wird, weil es immer einen kleinen Twist gibt? Selbst wenn wir Zweckreime nutzen, wird es lustig.
Du hast irgendwas gebastelt
und es kommt die Punchline - die Erkenntnis - iss doch einfach einen Apfel.
Zum Üben dieser Setup-Punchline-Technik kannst du dir einfach eine Liste mit vielen Wörtern zur Hand nehmen. Diese Liste kann aus zufälligen Worten bestehen - oder du schreibst freie Assoziationen über dein Leben oder deine Situation auf - so entsteht vielleicht sogar ein zusammenhängender Freestyle. Für Anfänger empfehle ich einsilbige oder zweisilbige Worte wie „Hut“ oder eben „Apfel“. Hier wäre so eine Liste mit Worten für den Start:
Baum
Garten
Wind
Kelch
Feld
Wiese
Fluss
Ufer
Herz
Seele
Traum
Schatten
Wort
Stille
Glas
Fenster
Stern
Nebel
Weg
Straße
Tag
Abend
Ruhm
Ehre
Salz
Erde
Brot
Tisch
Kern
Wurzel
Sinn
Wille
Klang
Melodie
Rand
Küste
Netz
Faden
Turm
Mauer
Duft
Blüte
Sand
Wüste
Reif
Winter
Moor
Nebelfeld
Halm
Ähre