Stell dein Metronom so ein, dass es nur am Taktanfang erklingt und spiele 1 Minute lang zuverlässig in Time mit dem Metronom.
Das Thema ist gespielt.
Das Solo beginnt. Du spielst.
Doch irgendwie fühlt sich alles ein wenig zu aufgelöst an.
Irgendwas ist nicht ganz richtig, obwohl du die richtigen Töne spielst.
Das Problem
Musik funktioniert über einen geheimen Morsecode: Timing. Du kannst prinzipiell die richtigen Rhythmen spielen und trotzdem daneben klingen.
💡 Timing ist die Stabilität des Grundschlags in einem bestimmten Tempo. Beim Musizieren müssen alle dasselbe Timing haben, damit sich der Groove gut anfühlt.
Allerdings handelt es sich um eine subtile Kunst, bei der es um Bruchteile von Sekunden geht und um ständige Balance zwischen Innen (-dir-) und Außen (-der Musik).
Du kannst kein Timing entwickeln, wenn du immer unbegleitet alleine spielst. Es hilft aber leider auch nicht viel, irgendwie mit Metronom oder Backingtracks zu üben – sie sind wie Stützräder am Fahrrad: Du lernst mit ihnen nicht, selbst die Balance zu halten weil du nicht umfallen kannst.
Die Lösung
Was du dir erarbeiten musst, ist ein stabiler innerer Puls.
Und dafür gibt es eine wirklich einfache Lösung: Mit einem Metronom, das nur auf ausgewählten Schlägen zu hören ist, musst du den Puls selbst kreieren und ständig anpassen.
So übst du die zwei essenziellen Fähigkeiten für gutes Timing:
- Zuhören und konstant anpassen
- Einen Puls in einem gleichbleibenden Tempo kreieren
So entwickelst du dein Timing
In einem Satz: Setze dein Metronom beim Üben nur auf die Taktanfänge – auf die "Eins".
Für das alltägliche Üben
Spiele jegliches Übematerial mit einem langsamen Klick und mach dir rational (denken/benennen) und spielerisch (Muskelgedächtnis/Gefühl) klar...
- welche Taktart du spielst
- wo die Taktanfänge (und somit die Klicks) sind
Vorgehensweise
- Stelle Tempo und Taktart deines Metronoms ein und entferne alle Klicks außer den Klick auf die 1
- Zähle laut oder in Gedanken den Grundschlag des Taktes zum Metronom bis du gut genug im Groove bist
- Spiele auf deinem Instrument, was du gerade übst. Zähle weiterhin im Kopf mit
Tricks und Fokus
Der häufigste Fehler beim Zählen: Ungleichmäßige Unterteilung des Taktes. Die Grundschläge und alle Unterteilungen müssen gleichmäßig durchlaufen, wie ein Uhrwerk. Du kannst als Hilfe im Takt gehen und die großen Unterteilungen mit deinen Schritten synchronisieren.
Sprich die Unterteilungen der Takte gleichmäßig und nutze die Halbierung des Grundschlags, wenn du mehr Genauigkeit brauchst.
Ich nutze persönlich Rhythmussilben zum Unterteilen des Grundschlags. Taktlängen und Rhythmen folgen dann einer mathematischen Logik. Die Ausführung dieses Systems würde jedoch hier gerade den Rahmen sprengen. Deshalb hier die Silben zum Selbst-Probieren:
Ta = 1 Take = 2 Gamela=3 Taketina=4
Den Meisten hilft das rationale Grundgerüst beim Zählen vorerst sowieso mehr:
Taktart | Zählweise (halbierter Grundschlag) |
4/4 | 1 und 2 und 3 und 4 und 1 und 2 und 3 und... |
3/4 | 1 und 2 und 3 und 1 und 2 und 3 und 1 und... |
6/8 | 1 und 2 und 3 und 4 und 5 und 6 und 1 und… |
Metronom-Hack
Wenn dein Metronom keine Einstellung zum Weglassen von Schlägen hat, kannst du dein gewünschtes Tempo einfach trotzdem eingeben oder eintappen und anschließend entsprechend der Taktart rechnen:
- 4/4 → durch 4
- 3/4 → durch 3
- 6/8 → durch 6
Schon hast du dein Tempo für ein "Klick" am Taktanfang.
Ohne Instrument
Du kannst jederzeit auf den Oberschenkeln klopfen, verbalisieren oder sonstwo trommeln, was dir gerade einfällt: Einfache Taktschläge mit oder ohne Unterteilungen oder Grooves & Rhythmen von Melodien.
🎯 Egal ob mit oder ohne Metronom – konzentriere dich auf ein gutes Gefühl beim Grooven - denn darum geht es am Ende.
Du hast das Level geschafft, wenn...
...du 1 Minute lang zuverlässig in deiner gewählten Taktart auf dem Klick landest.
🔥 Hardcoremodus
Setze den Metronomschlag auf jeden zweiten (vierten, achten, sechzehnten) Taktanfang.
Audiobeispiele & Material
Metronom-AppsFAQ
(Bisher noch keine häufigen Fragen)
Weiterführend: Warum funktioniert das so?
Alle Töne ordnen sich in einem mathematisch definierbaren Verhältnis zueinander an. Unser Schönheitsempfinden funktioniert bei Rhythmus genauso wie bei Tönen (= Frequenzen):
Verhältnis | Wahrnehmung |
Klar und einfach (z.B. 1:2, 1:3, 1:4) | Konsonant (wohlklingend) |
Komplex (z.B. 153:403892) | Dissonant (schief/spannungsreich) |
Wenn wir ein gutes Timing haben, nähern wir uns mathematischer Perfektion an, was als schön wahrgenommen wird. Mathematische Perfektion selbst (wie z.B. das Metronom) nehmen wir als eher langweilig oder leblos wahr.
Bei einem schlechten Timing produzieren wir keine Annäherung an ein "schönes" (klares, einfaches) Verhältnis, sondern Chaos. Und das fühlt man überwiegend unterbewusst.
ℹ️ Bei der Intonation von Tönen ist es genau dasselbe: Gute Intonation = Annäherung an perfekte mathematische Verhältnisse, Schlechte Intonation = Chaos = Dissonant
Fun Fact: Wenn man Rhythmen digital um ein Vielfaches beschleunigt, werden sie zu Tönen – und andersherum werden Töne bei extremer Verlangsamung zu Rhythmen.