Improvisiere für 1 Minute Melodien, die du zuerst singst und dann korrekt auf dem Instrument nachspielst.
Manchmal fühlt sich Improvisation technisch an. Als hätte sie nichts mit uns zu tun. Wenn wir so etwas wahrnehmen, dann sind wir nicht mit unserem Instrument verbunden.
Meist wird dieser Aspekt im Unterricht und beim Üben außer Acht gelassen. Es werden eben Skalen geübt, damit die Finger sie richtig spielen. Das innere Kind, das sich ständig Melodien ausdenkt und lautstark und unbekümmert singt, verstummt.
Wenn wir dann improvisieren, fehlt uns der kindliche Elan und wir drücken zufällige Töne - darauf hoffend, dass sie "richtig" sind.
💡 Das bleibt immer unbefriedigend. Denn wir wollen Melodien aus der Luft schnappen und wie vom Teufel besessen drauf los spielen. Nicht schüchtern bis ängstlich Töne raten.
Die Lösung
Um das zu erreichen, müssen wir zurück zum Ursprung.
Musik beginnt in unser aller Leben OHNE INSTRUMENTE.
Mit einer sehr simplen Praxis können wir uns unsere kindliche Unbefangenheit zurück holen und sie salonfähig machen, damit wir uns trauen, beim Spielen wirklich loszulassen. Sie besteht aus nur 2 Elementen:
Singen & Nachspielen
Dabei geht es kein bisschen um sängerische Leistung! Sondern lediglich um das verständliche Skizzieren deiner Musikvorstellung mit der Stimme. Und die Umsetzung dieser Skizzen auf dem Instrument.
✨ Sing einfach alles, was du sowieso spielst und sei erstaunt darüber, wie viel leichter es dir fällt, Musik auswendig zu lernen und nach Gehör zu spielen.
So entwickelst du die Verbindung zu deinem Instrument
In einem Satz: Singe Melodien und spiele sie auf dem Instrument nach.
Für das alltägliche Üben
DU BIST DAS INSTRUMENT!
Jede Übesession fängt bei mir mit dieser Praxis an. Ein Ende der "Übung" gibt es bei mir nicht. Ich singe mit der inneren Stimme im Kopf alles mit, was ich spiele. Wenn ich Melodien auswendig lerne, dann lerne ich sie zuerst mit der Stimme. Schwierige Passagen erarbeite ich mir ebenso zuerst ohne Instrument.
Die 3S-Regel (von Bob Reynolds)
- Singen
- Sagen (z.B. Tonnamen oder Rhythmussilben)
- Spielen
Durch das Singen und Durchdenken vermeidest du, Fehler auf dem Instrument einzuüben, die keine technischen Ursachen haben.
Tricks und Fokus
⚠️ Wichtig: Gib dir vor dem Singen einen Referenzton auf dem Instrument (denn du hast wahrscheinlich kein absolutes Gehör).
Sei lieb zu dir
Wenn du erstmal lernen musst, überhaupt eine Tonhöhe nachzusingen, dann starte dort. Wenn du nur ein paar gesungene Töne nachspielen kannst, dann mach das. Erweitere deine Komfortzone ganz langsam und so, dass es Spaß macht.
Das heißt: Du solltest singen, was du auf jeden Fall nachspielen kannst. Durch unsere Tendenz, uns selbst zu überschätzen kommen die Fehler und Herausforderungen von selbst ;)
Tipps
- Greife die Töne beim Singen auf dem Instrument oder in Gedanken mit
- Erkunde deine Grenzen mit Geduld und Neugier – wenn du nur kurze Melodien aus 3 Tönen nachspielen kannst ist das in Ordnung! Improvisiere Varianten mit den 3 Tönen bis du dich langweilst. Dannn nimmst du einen vierten Ton dazu.
- Nimm deine gesungene Melodie mit dem Handy auf, wenn du ständig vergisst, was du gesungen hast. Um das Gesungene wieder ins Gedächtnis zurückzurufen spielst du einfach die Aufnahme ab und singst mit oder nach.
- Spiele innerhalb von Skalen und Mustern, die dir technisch vertraut sind.
- Achte auf ein angemessenes Übetempo – ein Tempo, in dem du zu 96% perfekt spielst.
🎯 Stell dir vor, jemand hält dir eine Pistole an den Kopf und verlangt von dir 100% Fehlerfreiheit. Dieses Tempo nehmen wir meistens als zu langsam wahr, obwohl es genau richtig zum Lernen ist.
Ohne Instrument
Ohne Instrument kannst du dir vorstellen, die Töne auf deinem Instrument zu greifen und einfach dazu summen.
Du hast das Level geschafft, wenn...
...du für EINE MINUTE kurze Melodie-Motive improvisieren kannst, die du zuerst singst und dann korrekt auf dem Instrument nachspielst.
🔥 Hardcoremodus
Dieses Level ist durch die Wahl der Melodien beliebig anpassbar:
- Schwerer: Längere Melodien, größere Tonabstände, kompliziertere Tonabfolgen
Audiobeispiele & Material
(in Kürze)
FAQ
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Mehr zum Thema lernen:
DU BIST DAS INSTRUMENT – Audiation ist die zentrale Fähigkeit, die das ausmacht, was wir "Musikalität" nennen
Gordon prägte den Begriff Audiation in den 1970er Jahren, um zu eindeutiger und präziser Begrifflichkeit beizutragen. Er definiert es als „Hören und Verstehen von Musik, die nicht physikalisch erklingt (Audiation: hearing and understanding music without physical sound)”. Verstehen meint hierbei die Fähigkeit, (in) Musik zu denken und das gehörte Phänomen in einen musikalisch-syntaktischen Gesamtzusammenhang einordnen zu können. Der Begriff findet auch in Deutschland in Ermangelung eines deutschen Äquivalents, als „Audiation” Verwendung.
https://www.gordon-gesellschaft.de/audiation/
📺 Singen und Nachspielen ist die Lieblingsübung von Grace Kelly → YouTube-Video